• MIT-Interview

Interview mit Amy und Suji vom MIT

Wie jedes Jahr kam auch dieses Jahr Besuch aus Amerika. Das MIT (Massachusetts Institute of Technology) gibt immer wieder Studenten die Möglichkeit, Deutschland oder andere Länder genauer kennenzulernen. Wir hatten das Glück, dass vor kurzem zwei dieser Studenten bei uns am GaM waren, um selbst Unterricht – auf Englisch, versteht sich - zu erteilen. Die Schülerzeitung, vertreten durch Chiara, Ella und Bente, durfte ein Interview mit den beiden führen. Danach gibt es einen kleinen Einblick in eine Unterrichtsstunde mit Amy und Suji.

SZ: Könnt ihr uns ein bisschen mehr über eure Universität und euer Leben in den USA erzählen?

Suji: Also, ich bin Suji, und bin das dritte Jahr am MIT, das bedeutet ich bin ein Junior. Am MIT studiere ich mechanisches Ingenieurswesen mit einem Fokus auf Entwicklung. Das kombiniert die harte technische Seite vom Design mit den Businessaspekten, damit die Leute unsere Produkte kaufen. Auf dem Campus bin ich Teil einer sozialen Gruppe und ich mache auch Freiwilligenarbeit.

Amy: Ich bin Amy und im vierten Jahr am MIT, was bedeutet, ich bin ein Senior, und es ist mein letztes Jahr. Ich studiere eine Kombination aus Neurobiologie und Psychologie: Wir versuchen also herauszufinden, wie das Gehirn funktioniert. Nach dem Studium gehe ich auf eine Medizinschule. Auf dem Campus bin ich Mitglied des Schülervorstands, eines Clubs, der die globale Gesundheit unterstützt, und ich mache ebenfalls Freiwilligenarbeit.

SZ: Warum seid ihr gerade nach Deutschland gekommen, wenn ihr gar kein Deutsch sprecht?

Suji: Das ist eine gute Frage. Das MIT ist anders als die „normalen“ Universitäten in Amerika. Es ist so, dass jede Universität in Amerika zwei Semester hat, die zusammen ein akademisches Jahr sind. Und normalerweise ist zwischen den zwei Semestern eine einmonatige Pause. Das MIT gibt aber Studenten zwei Monate, um es ihnen zu ermöglichen, verschiedene Sachen zu machen. Also ein Programm, das sie in dieser langen Pause haben, heißt ´Global Teaching Labs‘, das Studenten in verschiedene Länder schickt. Eins davon ist Deutschland.  Dabei können wir uns über unsere Projekte in Wissenschaft und Technologie mit anderen Schülern austauschen, und weil viele Menschen in Deutschland sehr gut Englisch sprechen können, ist es uns möglich hierher zu kommen und auf Englisch zu unterrichten. 


Amy: Und ich glaube, einer der Gründe, warum ich die drei Wochen in Deutschland verbringen wollte, ist, dass meine Familie und ich letztes Jahr Süd-Deutschland besucht haben und es wirklich Spaß gemacht hat. Ich denke, wenn man tatsächlich viel Zeit an einem Ort verbringt, lernt man gut die Kultur und den Alltag dort kennen, was ganz anders ist, als wenn man nur ein Tourist ist. Das ist ein Teil der Erfahrungen, die ich genossen habe.

SZ: Gibt es große Unterschiede zwischen dem Leben in Deutschland und dem in den Vereinigten Staaten, die ihr bemerkt habt? Was, denkt ihr, ist am unterschiedlichsten?

Suji: Ich denke, zum größten Teil ist es der Schulalltag, der uns die meiste Zeit gekostet hat. Als wir noch zur Schule gingen, bestand unser typischer Alltag aus sehr viel Lernen und auch noch Gruppenprojekten; aber hier gibt es eine bessere Balance zwischen Lernen und dann Zeit mit Familie und Freunden verbringen und verschiedenen Aktivitäten.

SZ: Mögt ihr unsere Schule?

Amy: Ja. Es macht sehr viel Spaß hier zu unterrichten. Alle Schüler sind sehr intensiv im Unterricht dabei, was ich super finde. Eine Sache, die mich wirklich an eurem Bildungssystem beeindruckt hat ist, wie viel ihr lernt. Ihr nehmt Englisch sehr ernst, also seid ihr alle sehr gut in Englisch. Und ihr habt Unterricht in Politik, was sehr relevant ist. Also ich denke, ihr seid sehr informiert in so vielen Sachen, die in Deutschland passieren, was wir in den USA nicht haben. 

Suji: Ja, und ich denke, all die unterschiedlichen Unterrichtsfächer, die ihr habt, sind sehr interessant. Ich finde auch, dass das Englischlevel sehr beeindruckend ist; wir lernen in den High-Schools zwar auch vier Sprachen, aber wir sind in keiner so gut wie ihr in Englisch. 

SZ: Und wie findet ihr unsere Lehrer?

Suji: Die sind sehr nett und hilfsbereit und haben uns geholfen, unsere Stunden zu planen, haben uns in den Unterricht eingebunden und uns eingeladen, mehr Sachen zu unterrichten. 

SZ: Wo seid ihr in Amerika geboren worden?

Suji: Ich wurde in San Francisco geboren, in Kalifornien, aber als ich klein war, sind wir nach Nord-New Jersey gezogen, was 40 Minuten von New York City entfernt ist.

Amy: Ich bin in New York geboren, aber als ich einen Monat alt war, sind wir nach Cambridge gezogen, wo das MIT ist. Dann sind wir von dort in eine Vorstadt gezogen, die eine ähnliche Größe wie Bad Schwartau hat. Also habe ich eigentlich mein ganzes Leben in Massachusetts gelebt.

SZ: Mit welchen Lehrern geht ihr in welche Stunden?

Amy: Also Suji und ich unterrichten Englisch zusammen in der zwölften Klasse mit Frau Pauli. Dann haben wir auch noch mit Herrn Sagebiel zusammengearbeitet. Ich mache außerdem noch Biologie mit Herrn Muth und Chemie mit Herrn Schwerin

Suji: Ich mache Kunst, außerdem Mathe und Physik mit Herrn Hoffmann.

SZ: Was hat euren wissenschaftlichen Weg geprägt? Wolltet ihr schon immer auf das MIT oder war das eher eine spontane Entscheidung?

Amy: Also ich habe mich seit der High-School für Psychologie und Neurobiologie interessiert. Ich habe dann auch Freiwilligen-Arbeit gemacht, unter anderem mit Kindern, das war wirklich cool. Das hat mich so auf das Ganze gebracht. Ich dachte erst, dass ich nicht so gut zum MIT passe, aber nach meinem elften Jahr konnte ich mehr über all die Programme erfahren (z. B. in Biologie) Dementsprechend gefiel es mir dann mehr und ich wurde immer interessierter daran. Schließlich gefiel es mir sehr, unter anderem die Gemeinschaft, so war es mir möglich, mit meinen Interessen dorthin zu gehen.

Suji: Was mich angeht, ich war schon immer angetan von Mathe und Physik in der High-School, aber ich war mir nicht sicher, was ich genau machen wollte. MIT bietet ein Sommerprogramm für Mädchen im letzten Schuljahr an. Da habe ich mitgemacht und für einen Monat im MIT gelebt und mir haben die Menschen dort sehr gefallen. Das war mein Grund, bei diesem Programm habe ich gemerkt, dass es gut passt. Als ich dann auf dem MIT war, habe ich ein paar Einführungsstunden in Physik gehabt, aber ich realisierte, mir gefällt die Idee, ein mehr „reales“ Leben zu kreieren oder es in etwas Neues zu verwandeln.

SZ: Okay, dann Dankeschön für das Interview, auf Wiedersehen!

Amy & Suji: Tschüss!


AI – Artificial Intelligence with Amy and Suji in Q2b


Aber nicht nur in Business English besuchten Suji und Amy die zwölften Klassen; auch im regulären Englischunterricht der Q2b gestalteten sie einige Stunden.

So wie im Fall von „AI—Artificial Intelligence“ waren Themen Gegenstand des Unterrichts, bei denen sich die Studienfächer der beiden überschnitten. Meist eingeleitet durch einen multimedial unterstützten Vortrag (erhöhte Schwierigkeit durch den technischen Leistungskontrast und einem leichten Förderungsunterschied MIT/GaM), luden die beiden Studentinnen die Klasse zu Diskussionen ein.

Die Sprachbarriere war nach anfänglicher Hemmung auf Seiten der Schüler schnell gebrochen, vor allem vermutlich aufgrund des Verständnisses der Studenten dafür, dass man sich keine biologischen Fachbegriffe auf Englisch aus dem Ärmel schütteln kann, vor allem dann nicht, wenn man nebenbei versucht, dem Lehrer einen Crashkurs in Oberstufenbiologie zu geben, damit auch er dem Unterricht folgen kann.

Aber nach dieser kurzen Eingewöhnungsphase zeichneten sich die von den Studenten gestalteten Stunden durch angeregte Debatten aus; zusätzliche Aufgaben, wie das Absolvieren einer Ethikumfrage, warfen dann weitere Fragen auf, die in der Klasse diskutiert werden konnten: „Sollte der Fahrer verantwortlich gemacht werden, wenn ein selbstfahrendes Auto jemanden verletzt oder sogar tötet?“

Auch Themen wie genetisch manipulierte Lebensmittel sorgten für viel Diskussionsstoff, auch wenn die weitgehende Abwesenheit von Fachvokabular seitens der Schüler auch bei Themen wie „Sollte es möglich sein, Babys zu ‚designen‘?“ deutlich wurde: „It’s just…you can’t just order ‚half cheese and beef on the side‘-baby.“



(Fleißig interviewt, übersetzt und dem Unterricht gelauscht haben Bente Maurer und Chiara Böttcher aus der 8d sowie Ella Steffen aus der Q2b) 

31. Januar 2019

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