• Rechtsextremismus - Ein Thema, das uns betrifft

Rechtsextremismus - Ein Thema, das uns betrifft

Das Wirtschaft-Politik-Seminarfach der Q1 von Frau Drewitz behandelte im vergangenen Semester das Thema Rechtsextremismus und warf dabei einen gründlichen Blick in die Vergangenheit und Gegenwart unserer deutschen Geschichte bzw. unserer Gesellschaft. Nachdem die Schülerinnen und Schüler (SuS) sich sowohl im Unterricht als auch in der häuslichen Arbeit die theoretischen Grundlagen zum Thema erarbeitet hatten, entwickelten sie als Gleichwertige Leistung, die als Klausurersatz im Profilseminar verbindlich ist, eine Ausstellung für ihre Mitschüler aus zwei Kursen der Kollegin Hoffmann ( 9. und Einführungsjahrgang).

Die SuS des WiPo-Profilseminars erabeiteten dazu zum einen die ideologischen Grundlagen des Rechtsextremismus, die im Faschismus und Nationalsozialismus zu finden sind.

Ebenso stellten sie verschiedene Artikel und Schriften die das Phänomen  des Rechtsextremismus aus soziologischer und sprachwissenschaftlicher Perspektive beleuchteten, vor.  Gemeinsam im Unterricht analysierten wir ein linguistische Schrift mit dem Titel: Die Sprache der Rechten von Deborah Kemper (Reclam).

Ein weiterer Themenschwerpunkt waren die rechtsextremen Anschläge seit den 90er Jahren (z. B. Rostock-Lichtenhagen, Lübeck, Mölln, Hanau) und die Mordserie des NSU.

Einen persönlichen Einblick bekamen unsere Besucherinnen und Besucher bei der Vorstellung der Biografie: „Ein deutsches Mädel“, in dem eine junge Frau, die im Neonazimillieu aufgewachsen war, von ihrem Ausstieg aus der Szene berichtet.

Unsere Besucherinnen und Besucher waren ausgesprochen interessiert und für die Schüler des WiPo-Seminarfachs war es so eine positive Erfahrung, mit der Ausstellung ein sinnvolles und nützliches „Produkt“ erstellt zu haben. Da die mündliche Präsentation an den erarbeiteten Ausstellungsplakaten mehrfach erfolgte, und wuchsen die SuS mit jeder Durchführung mehr in ihre Rolle und in ihr Thema hinein: Eine gute Übung für das mündliche Abitur.

Zeitlich passte in die Erarbeitungsphase ein trauriger Jahrestag, nämlich der 18.1., an dem im Jahr 1996 ein rechtsextremer Brandanschlag auf ein Haus in der Lübecker Hafenstraße verübt worden war, in dem damals Aylbewerber untergebracht worden waren. Der Mord an mehreren Personen mit Migrationshintergrund wurde u. a. wegen zahlreicher nicht aufgeklärter Verfahrensfehler des Staatsapparates (Polizei und Justiz) bis heute nicht geahndet. Das Theater Lübeck hatte sich des Themas angenommen und mit dem „Projekt Hafenstraße“ die Problematik dieses dunklen Flecks lübscher Zeitgeschichte für das Publikum auf die Bühne gebracht. Am 18.1.2026, also dem Jahrestag des Brandanschlags, waren bei unserem Besuch auch zahlreiche Angehörige der Opfer bei der Vorstellung gegegen. Wir zeigten uns tief beeindruckt von der Aufführung. Besonders gut kam bei den SuS an, dass die Schauspieler nach der Aufführung, die eher fast einer Dokumentation der Vorfälle und der Aufarbeitung glich, für ein Gespräch zur Verfügung standen. Hierbei wurde deutlich, dass es einer zivilgesellschaftlichen Anstrengung bedarf, darauf hinzuwirken, dass dieser „cold case“ wieder aufgenommen wird und die Opfer entschädigt werden.

Eine weitere Vernetzung mit dem außerschulischen Bereich bzw. der Zivilgesellschaft konnte während der Unterrichtszeit stattfinden, als uns das Regionale Beratungsteam gegen Rechtsextremismus (RBT) besuchte und aus seiner Arbeit berichtete. Das RBT ist bei dem Träger Arbeiterwohlfahrt angesiedelt und wird rege als Anlaufstelle von Institutionen und Personen genutzt, die mit dem Thema Rechstextremismus konfrontiert sind. Neben Saskia und Johannes vom RBT waren auch Ruth und Sabine von den „Omas gegen Rechts“ aus der  Gruppe Stockelsdorf / Bad Schwartau unsere Gäste. Sie engagieren sich ehrenamtlich für die Stärkung der Demokratie, versuchen über Gesprächsangebote mit Menschen über die Themen Bewahrung der Demokratie und Engagement gegen Rechtsextremismus ins Gespräch zu kommen: Eine nicht einfache Aufgabe in Zeiten, in denen der Ton auch auf der Straße rauher geworden ist. Zum Abschluss der Veranstaltung wurden wir als Kurs zum Erzählkaffee der Omas gegen Rechts eingeladen, sodass sich Kontakt und Austausch weiter vertiefen können. Als Schule gegen Rassismus - Schule mit Courage ist dies sicher ein sinnvolles Unterfangen.

Ich als Lehrkraft empfand die Arbeit mit den äußerst engagierten und interessierten SuS des Kurses als sehr angenehm, sinnvoll und Sinn stiftend.

Frauke Drewitz

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